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KLEINE ZEITUNG vom:12.11.2010 um 20:16 Uhr

 

Die Schlaraffen und ihre eigene Welt

Sie haben sich ihre eigenen Reyche und Colonien erschaffen, in die sie vor der "profanen Welt" fliehen: Die Schlaraffen, die auch in Gamlitz und Lannach wöchentlich ein persiflierendes Ritterspiel zelebrieren.

Sie tragen seltsame Mützen, Abzeichen und Namen wie "Gastrokarl der Schenker", "Klapotetz der Weinsame" oder "Nullahnung vom Dreiländereck", huldigen einem Uhu und treffen sich einmal in der Woche in ihrer Burg im Winzerkeller. Dort grüßen sie sich mit "Lulu", schwingen - mit teils antiquierten Worten - große Reden und sprechen sich gegenseitig in der dritten Person an. Alles folgt einem strikten Zeremoniell. Die Rede ist von den "Schlaraffen", die einmal in der Woche dem realen Leben - der öden Profanei, um in deren Diktion zu bleiben - entfliehen. Und sich und die anderen Ritter dabei nicht allzu ernst nehmen.

Mehr als 10.000 Schlaraffen (meist wohlsituierte Herren) gibt es weltweit in 425 Reychen, Colonien oder Feldlagern, zwei davon liegen in der Region - Gamlitz, wo die "Vinokraten" herrschen, und "Monte Lunach" (Lannach). Dort sind etwa "Makabarett der Knappvorbei" (Unternehmer Manfred Kainz), "Akwa Blaning der Kabarettierte" (Humorist Ewald Dworak) oder "Bioviel der Uhumweltschützer" (Biologe Johannes Gepp) zugange.

Aber zurück zu den Vinokraten. Diese hielten am vergangenen Mittwoch - dem 10. des Windmondes anno Uhui 151 - ihre Junkertafelsippung ab. Zu diesem Behufe wurden drei Knappen in den Stand des Junkers erhoben. Ritter Bauchi, profan Karlheinz Kotschar aus Deutschlandsberg, hatte die Anwärter in den vergangenen Wochen unterwiesen. "Es ist streng verboten, über Frauen zu fechsen", führt Ritter Bauchi aus. Mehr noch: Der holden Weiblichkeit ist auch der Zutritt in die Burg der Schlaraffen verboten. Verpönt sind Vorträge über Politik, Religion oder persönliche Angelegenheiten. Verpflichtend ist das persiflierende Element. Der Schmäh muss rennen.

Lulu aus vollsten Kehlen

In der Winzerburg wird die Schlaraffiade mit einem Tam-Tam-Schlag eröffnet. Eure Obrigkeit alias "AquVin der Vieles Khan" alias Gastronom Thomas Schweiger fungiert, er führt also die Geschäfte. Zwischendurch ertönt ein herzhaftes "Lulu" oder es wird die Schlaraffen-Hymne gesungen. "Lulu aus vollsten Kehlen", heißt es darin.

"Die Schlaraffiade ist eine Persiflage auf ein Ritterspiel", erklärt Siegfried Gottmann-Haring, "Oberschlaraffe des Äußeren" bei den Vinokraten. Seit 27 Jahren ist er Sasse (Mitglied), er war bei der Gründung in Lannach ebenfalls dabei wie vor einigen Monaten bei jener in Gamlitz. Die SOS-Kinderdörfer werden unterstützt, primär geht es aber um Freundschaft, Kunst und Humor.

"Nehmt den Sesshaften ein", schallt es durch die Winzerburg. Hinsetzen also. Dann fliegt der Fehdehandschuh, ein Sasse hatte sich erdreistet, einen anderen verbal zu attackieren. Bei der nächsten Sippung folgt ein Wort-Gefecht. "Es ist eine völlig neue Welt. Man kann sich immer wieder mit Worten wehren", schmunzelt der neue Junker Peter Lübbe. In diesem Sinne: "Schlaraffen hört: Lulu."